26. Oktober 2010

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Nun ist es schon wieder eine Weile her seit wir von unserer Afrika-Reise zurückgekehrt sind. Am 12. Juli, am Tag nach dem WM-Finale, bin ich in Kapstadt auf einem Frachtschiff ausgelaufen, welches mich zurück nach Europa ins Land des Weltmeisters und nach längerem alleine reisen wieder mit Andrea zusammen gebracht hat. Von Spanien war es für uns nur noch eine kurze Fahrt zurück in die Schweiz. Der Weg südwärts durch die Länder von Afrikas Westküste war beschwerlicher aber auch ungleich interessanter. Am 1. November im letzten Jahr sind wir zusammen losgefahren und mit der Fähre auch schon bald im Maghreb angekommen. Marokko konnten wir noch zusammen bereisen aber dann musste Andrea leider schon wieder nach Hause fliegen. Mit der Durchquerung der Sahara – heutzutage komfortabel auf Asphalt – habe ich dann das arabische Afrika hinter mir gelassen und bin in Senegal in Schwarzafrika angekommen. Zwei Monate haben mich durch einige Länder des Sahel schliesslich nach Ghana gebracht, wo Andrea für die Weiterreise wieder dazugestossen ist. Es folgte der anspruchsvollste Abschnitt der ganzen Reise durch Länder mit schwierig zu bekommenden Visas, schlechten Strassen und Regionen, in denen bis vor kurzem noch Bürgerkrieg herrschte. Nach drei Monaten und 20′000 Kilometern seit Europa sind wir Mitte April in Kapstadt angekommen, von wo Andrea wieder zurück nach Hause musste. Die Länder im Süden des Kontinents konnten mich gut beschäftigen bis dann im Juni der Anpfiff zum weltgrössten Sportanlass erfolgte. Nie war die Weltmeisterschaft das eigentliche Ziel der Reise aber es war ja nicht der Anlass eines einzelnen Landes sondern eines ganzen Kontinents. Neben der grossartigen Atmosphäre in Südafrika durfte ich auch die drei Schweizer Spiele vor Ort erleben. Zwar konnte die Schweiz als einziges Team Weltmeister Spanien schlagen, aber damit hat man den Titel nicht gewonnen. Gewonnen haben wir dafür auf unserer Reise unzählige Eindrücke. Die Strapazen von Strassen und Klima (und einer Malaria) werden uns genauso in Erinnerung bleiben wie die überwältigenden Landschaften und die vielen spontanen Begegnungen mit der immer offenen und neugierigen Bevölkerung des Kontinents. Als Reisender aus dem modernen Westen mag man vieles in Afrika nicht verstehen und am Ende bleiben wohl mehr Fragen als Antworten. Aber genau das macht den Kontinent ja so lohnenswert für eine Reise. Wir auf alle Fälle denken oft wehmütig an die Zeit in Afrika zurück, was durch den nun in Europa einziehenden Winter nur noch verstärkt wird. Bald werden wir auch beide wieder zurück an der Arbeit sein und aus der erlebten Realität Afrikas wird wieder der Traum, den wir uns erfüllt haben.

It’s been quite a while since we came back from our Africa trip. On he 12th of July, the day after the world cup final, I set sail on a freighter out of Cape Town that brought me back to Europe into the country of the world champion and after quite some time of travelling alone also back together with Andrea. From Spain it was just a short ride back to Switzerland. The way down south through Africa’s west coast countries has been more demanding but much more rewarding, too. On the 1st of November last year we left together and a short ferry trip brought us into the Maghreb. Together we explored Morocco but Andrea soon had to fly home. By crossing the Sahara – these days comfortably on tarmac – I left Arabian Africa to get to Senegal and arrive in Black Africa. During two months I travelled through some Sahel countries which brought me to Ghana where Andrea joined me again. What followed was the most demanding stretch of the trip through countries with hard-to-get visas, bad roads and regions that have been plagued by civil war. After three months and 20,000 kilometers since Europe we arrived by mid-April in Cape Town where Andrea had to go back home again. I then roamed around Southern Africa until the kick-off of the world’s biggest sports event. The world cup has never been the trip’s main goal, neither has it been a single country’s event but one for the whole continent. Besides the great atmosphere in South Africa I followed all of the three Swiss matches on the spot. Switzerland was the only team to beat the world champion but that’s not enough to win the title. What we won instead on our trip were numerous impressions. The hardships of roads and climates (and a malaria) will be remembered as well as the stunning landscapes and the many spontaneous encounters with the ever open and curious population of the continent. Coming from the modern west many things in Africa may seem mysterious to the traveller and at the end there probably are more questions than answers. But that’s exactly what makes the continent worth a trip. Anyway, we keep having melancholic thoughts of our time back in Africa, even more often now as the winter sets in over Europe. And soon we both will be back at work and the experienced African reality again becomes the dream we made come true.

4. August 2010

Es dauert nicht lange bis wir heute vor Genf an der Grenze stehen. Auf der Hauptstrasse werden aber keine Zollformalitäten mehr abgewickelt und so geht’s zurück auf die Autobahn für die Grenzüberquerung. Mit einem Stempel im Zolldokument ist der Töff offiziell wieder in der Schweiz und auf der Autobahn fahren wir am Genfersee entlang. Mittagessen gibt’s in Lausanne am See, das erste Rivella ist bald getrunken und die ersten Cumulus-Punkte sind auch wieder auf dem Konto. Wir sind zurück in der Schweiz. Auf Hauptstrassen fahren wir langsam Richtung Zentralschweiz. Der nächste Termin ist um sieben Uhr bei meiner Schwester und so bleibt auch Zeit, Andrea endlich einmal den Ort im Luzerner Hinterland zu zeigen, wo ich aufgewachsen bin. Heute gibt’s Heimatgefühle und Nostalgie. Um sieben fahren wir dann vor, wo die nächste Überraschung auf mich wartet. Andrea und meine Schwester haben ohne mein Wissen spontan eine Willkommens-Party organisiert und es sind erstaunlich viele unserer Freunde und Kollegen aufgetaucht. Und endlich lerne ich heute auch die Kinder meiner Schwester kennen, welche sie während meiner Abwesenheit adoptiert hat. Es wird ein langer Abend und erst spät in der Nacht fahren wir noch eine halbe Stunde weiter zu Andreas Wohnung. Am gleichen Ort vor dem Haus wo wir damals am 1. November im vergangenen Jahr die Sachen auf den Töff beladen haben und dann Richtung Gotthard gefahren sind nehmen wir heute spät nachts unsere sieben Sachen vom Töff. Wir wie auch der Töff sind immer noch die gleichen. Der Töff sieht jetzt einiges älter aus. Auch wir sind etwas älter geworden aber auch um einige Erfahrungen reicher. Erfahrungen aus dem wilden und grossen Schwarzen Kontinent und aus den fernen Länder sind auf einmal vertraute geworden.

3. August 2010

An Lyon vorbei kommen wir heute in die Alpen und sind damit in vertrauten Regionen und auf bekannten Strassen unterwegs. Der Himmel ist wieder blau und der August hält sommerliche Hitze für uns bereit. Über die Rhone gelangen wir zum Lac d’Annecy und obwohl wir von hier aus auch heute noch bis nach Hause fahren könnten verbringen wir noch eine Nacht in Saint-Jorioz am See. Erst morgen ist die Reise zu Ende und irgendwie bin ich erstaunlich gelassen ob der Rückkehr nach der langen Abwesenheit. Einerseits weil ich schon einmal nach längerer Reise-Abwesenheit zurück gekehrt bin, andererseits bin ich auch wirklich bereit für die Rückkehr, habe ich sie doch nicht nur einmal herbei gesehnt.

2. August 2010

Die Landschaft ist noch nass als wir heute am Morgen weiterziehen aber mehr als ein paar Tropen kriegen wir nicht mehr ab. Und es braucht keine hohen Berge für gute Töff-Strecken. Im südlichen Zentralmassiv sind wir bald kurvenreich in der Region Auvergne unterwegs und bis am Abend in Le Puy-en-Velay. Die Stadt hat eine mittelalterliche Altstadt, unzählige Kirchen und ist einer der Startpunkte des Jackobswegs. Der Pilgerweg begleitet uns wohl bis nach Hause.

1. August 2010

Mit dem Überqueren der Pyrenäen lassen wir heute auch das schöne Wetter von Spanien hinter uns. Im Nieselregen geht es den Pass herunter und dann folgen wir den ganzen Tag auf den Fersen der Gewitter durch die malerische Region der Midi-Pyrénées. Auf Landstrassen fahren wir entlang von Feldern und an Höfen vorbei durch die hügelige Landschaft. Komplett nass werden wir aber erst am Abend als wir doch noch durch ein richtiges Gewitter kommen. In Villefranche-de-Rouergue werden wir die nassen Kleider los und lassen uns von der französichen Küche verwöhnen.