27. Juli 2010

Eigentlich wollte ich meine defekte Felge auf dem Schiff noch schweissen lassen. Doch als ich das Rad heute genauer anschaue kann ich nur drei kleine Risse entdecken und scheue deswegen den ganzen Aufwand auf dem schaukelnden Schiff das Hinterrad auszubauen. Ich markiere die Fehlstellen und hoffe damit bis nach Hause zu kommen. Der heutige Tag besteht ansonsten hauptsächlich aus der freudigen Erwartung morgen an Land zu gehen, die 600 km nach Madrid unter die Räder zu nehmen und nach über drei Monaten Andrea endlich wieder zu sehen. Doch wir sind weiter von der unendlichen Wasserwelt umgeben und nichts deutet darauf hin, dass wir bald Land in Sicht haben werden. Das letzte Glas Wein mit dem Kapitän und Heather trinke ich heute beim Sonnenuntergang auf Deck und dass dabei noch ein paar Delfine aus dem rot schimmernden Wasser springen ist beinahe kitschig aber sorgt trotzdem für einen schönen Abschluss der zweiwöchigen Seereise.

26. Juli 2010

Zwei Tage vor der Ankunft in Spanien ist es an der Zeit den Töff wieder einmal zu starten. Obwohl es nur eine gute Woche her ist springt er einfach nicht an. Ich kontrolliere den Zündfunken, lasse frischen Sprit in den Vergaser und wechsle sogar den Luftfilter aber es lässt sich nichts machen. Etwas ratlos probiere zwischendurch immer wieder einen Startversuch bis er dann am Abend mit dem letzten Saft aus der Batterie erstaunlicherweise anspringt. Er hat seine Launen, ist vielleicht auch etwas seekrank oder hat möglicherweise schlicht keine Notwendigkeit gesehen anzuspringen. Selbst ich kann es nocht nicht glauben, dass wir übermorgen in Spanien ankommen und ich somit zurück in Europa bin.

25. Juli 2010

Der starke Wind bleibt uns auch heute erhalten und wir kommen somit etwas langsamer voran. Am späten Nachmittag taucht dann auf Backbord Teneriffa am Horizont auf und mit Gran Canaria auf Steuerbord fahren wir durch die Kanarischen Inseln. Für eine kurze Zeit haben wir Empfang. Die ganze Belegschaft zückt die Telefone und gibt wieder einmal ein Lebenszeichen, mich eingeschlossen. Vorübergehend gibt es auch wieder Radio und Fernsehen und man bekommt wieder etwas mit von der Welt da draussen. Nach zwei Stunden herrscht wieder Funkstille, wir sind wieder draussen im leeren Ozean. Ich könnte den Job auf See wohl nicht machen, zu lange sind die Zeiten weg von allem, zu gross die Abgeschiedenheit.

24. Juli 2010

Ein starker Gegenwind bläst uns ab heute entgegen und die Gischt am Bug geht hoch wenn wir die Wellen brechen. Da wir senkrecht zu den Wellen fahren schaukelt das Schiff glücklickerweise nur wenig. So muss auch der Grillabend nicht ins Wasser fallen. Am Abend sitzen wir mit der ganzen Besatzung auf dem offenen Deck am Heck und grillieren auf dem Kohlefeuer. Eigentlich ist der Kapitän ziemlich strikt mit Alkohol aber die Mannschaft hat morgen einen Ruhetag und so fliesst Wein und Bier und auch einiger Wodka. Es ist ein spezieller Moment bei einem Glas Wein des nachts irgendwo mitten im Meer zu sein während der fast volle Mond sein Licht übers Wasser wirft. Und etwas voll bin bis spät nachts auch ich.

23. Juli 2010

Die Hitze der Tropen scheint schon hinter uns, es ist heute merklich kühler. Inzwischen ist auch etwas los um uns herum und wir sehen wieder regelmässig Schiffe in Sichtweite. Aber ansonsten gibt es nicht viel Neues auf See. Kapitän Marius bezeichnet das Schiff als Gefängnis. Ironischerweise hat er sich damals entschieden zur See zu fahren um die Welt auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs zu sehen. Das Schiff ist eine Art Gefängnis aber ein ziemlich komfortables und man kommt damit in der Welt herum. Trotzdem bin ich langsam reif für meine “Freilassung”.